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Bundesgerichtshof erkennt Ansprüche wegen “nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit” an

Wenn die ersehnte Reise so richtig mies war, kann es über eine Reisepreisminderung hinaus auch eine Entschädigung wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit geben.

Eine Familie buchte eine Reise in ein Resort mit Meerblick in der Türkei. Es stellte sich bei Ankunft heraus, dass das Hotel überbucht war – die ersten drei Tage musste die Familie in einem anderen Hotel wohnen. In diesem gab es keinen Meerblick, dafür aber schwerwiegende hygienische Mängel. Nach Rückkehr verlangte sie eine Minderung des Reisepreises und eine Entschädigung wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit. Tatsächlich gab es nicht nur Minderungsansprüche, sondern auch eine Entschädigung von 600,00 EUR wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit.

Im vorliegenden Fall hat das Gericht angenommen, dass die ersten drei von zehn Urlaubstagen ihren Zweck weitgehend nicht erfüllen konnten, weil die schwerwiegenden hygienischen Mängel des den Klägern zunächst zur Verfügung gestellten Hotelzimmers den Aufenthalt in diesem “schlechthin unzumutbar” gemacht haben und der Tag des Umzugs in das gebuchte Hotel im Wesentlichen nicht zur Erholung dienen konnte. Es hat den anteiligen Reisepreis für diese Tage deshalb als um 70 bzw. 100 % gemindert angesehen. Auch wenn die verbleibenden Tage von den Klägern uneingeschränkt für den Strandurlaub genutzt werden konnten, wird bei einer derart weitgehenden Entwertung eines Teils der nach Wochen oder Tagen bemessenen Urlaubszeit diese teilweise “nutzlos aufgewendet” und damit auch die Reise insgesamt erheblich beeinträchtigt.

Quelle: BGH, Urteil v. 21.11.2017 – X ZR 111/16

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