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Die neue Pauschalreiserichtlinie – was ändert sich?

Am 01. Juli 2018 tritt die neue Pauschalreiserichtlinie in Kraft. Check dein Recht hat die wichtigsten Neuerungen im Reiserecht für dich zusammengefasst und mit dem Reiserechtsexperten Rechtsanwalt Oliver Huq bei der Kanzlei Schumacher & Partner in Düsseldorf über die Auswirkungen für Reisende gesprochen.

Eine der wichtigsten Neuerungen der neuen EU-Pauschalreiserichtlinie ist sicherlich, dass Urlauber nun 2 Jahre Zeit haben, ihre Reisepreisminderungsansprüche gegenüber dem Veranstalter oder Vermittler geltend zu machen. Die bis dahin geltende Ausschlussfrist von einem Monat nach Rückkehr fällt ersatzlos weg und so bleibt die Verjährungsfrist von 2 Jahren, gerechnet ab dem Zeitpunkt des Reiseendes (vgl. § 651j BGB). Dennoch macht es weiterhin Sinn, vor allem zur Beweissicherung, möglichst schnell seine Ansprüche geltend zu machen. Hierbei gilt es einige Formalien einzuhalten. Der Reisende unterliegt einer Dokumentationspflicht – aber was genau bedeutet das eigentlich?

„Weiterhin gilt, dass der Verbraucher gut daran tut, alle Mängel zu dokumentieren. Dazu kann es sinnvoll sein, Screenshots von der angebotenen Reise zum Zeitpunkt der Buchung zu machen und aufzubewahren. Wie bisher gilt, dass man bei Mängeln auf der Reise noch vor Ort bei der Reiseleitung (nicht bei der Rezeption!) den Mangel schriftlich anzeigen und dokumentieren lassen muss (Hier geht es zum Download der Mängelanzeige). Spätestens nach der Rückkehr muss man aber dennoch auch eine Beschwerde an den Reiseveranstalter (den Vertragspartner) richten und seine Reisepreisminderungsansprüche mit einer angemessenen Frist anmelden“ rät Rechtsanwalt Oliver Huq.

Zu beachten ist allerdings, dass hierfür der Zeitpunkt der Buchung entscheidend ist, nicht der Zeitpunkt der Reise. Urlauber können sich nur dann auf die neue EU-Pauschalreiserichtlinie berufen, wenn die Reise nach dem Stichtag gebucht wurde. Es gilt das Recht zum Zeitpunkt des Vertragsschlusses.

Eine weitere Neuerung ist, dass die neue EU-Richtlinie nun auch Reisevermittler in die Verantwortung nimmt. Pauschalreiseanbieter, Reisevermittler sowie Vermittler, die touristische Einzelbausteine als verbundene Reiseleistung anbieten (z. B. Flug, Hotel und Mietwagen etc.) müssen aufpassen, denn zur bisherigen Einteilung in die Vermittlung einer Pauschalreise und in die Vermittlung einzelner Reiseleistungen kommt die neue Kategorie der Vermittlung verbundener Reiseleistungen hinzu.

Vermittler werden wie bisher selbst zum Reiseveranstalter, wenn sie mehrere Leistungsbestandteile kombinieren und als „Paket“ anbieten. Veranstalter können sie aber dann auch werden, wenn sie mehrere einzelne Reiseleistungen anbieten (sog. verbundene Reiseleistungen). Wird nur eine Leistung angeboten (z. B. die Vermittlung einer Übernachtung), dann ändert sich nichts. Im Internet-Vertrieb wird mit den verbundenen Online-Verfahren (sog. Click-through-Buchung) der Begriff der Pauschalreise erweitert.

Wirbt der Anbieter – unabhängig von der eigentlichen Kategorisierung – mit Begriffen wie „Pauschalreise“, „Pauschale“, „Package“, „Arrangement“ oder ähnlichem, dann wird das Angebot automatisch zur Pauschalreise und auch so behandelt.

Insbesondere müssen die Anbieter bei der Vermittlung verbundener Reiseleistungen neue Informationspflichten (§ 651w Absatz 2 BGB, Artikel 251 EGBGB) berücksichtigen:

So erhält der Kunde beispielsweise vor Vertragsschluss ein Formblatt über die vermittelte(n) Leistung(en). Damit wird er darüber aufgeklärt, dass die vermittelten Leistungsträger für die ordnungsgemäße Leistungserbringung haften. Vermittler von Pauschalreisen haben künftig zudem die gleichen Informationspflichten gegenüber dem Kunden wie der Reiseveranstalter.

Zusätzlich zu den bisherigen Informationspflichten (über Zielort, Anzahl der Übernachtungen, Reiseroute, Transportmittel, Unterkunft, Mahlzeiten etc.) ist künftig auch über die Sprache,  in der Leistungen erbracht werden (z. B. Führungen, Ausflüge, Besichtigungen) oder auch über die Eignung einer Reise für Menschen mit eingeschränkter Mobilität zu informieren. Außerdem ist der Kunde (jeglicher Nationalität!) vor der Buchungsannahme über die gültigen Einreisebestimmungen und die ungefähren Fristen zur Visumserlangung zu unterrichten.

Einen großen Vorteil der neuen Pauschalreiserichtlinie sieht Rechtsanwalt Oliver Huq für Individualreisende „Immer mehr Reisende möchten keine klassischen Pauschalreisen mehr buchen. Individuell gestaltete Reisen werden immer beliebter. Hier lautet das Stichwort nun „vermittelte verbundene Reiseleistung“- diese liegt dann vor, wenn ein Anbieter dem Urlauber mindestens 2 unterschiedliche Leistungen verkauft, beispielsweise Flug und Mietwagen, und für diese gesonderte Rechnungen erstellt werden. Zukünftig gilt dies dann bereits als Pauschalreise bzw. verbundene Reiseleistung, was eine spätere Geltendmachung von Reisepreisminderungsansprüchen erleichtert.“

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