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Streik bei Ryanair – auch für mehr Respekt und ein besseres Betriebsklima

Piloten und Flugbegleiter der Billig-Airline klagen über ähnliche Verhaltensweisen wie Ryanair-Passagiere.

Die Mitarbeiter von Ryanair stehen vor einem Arbeitskampf. Der seit Monaten schwelende Streit erreicht diese Woche voraussichtlich einen neuen Höhepunkt. Am Freitag wollen die Piloten der Airline in mehreren europäischen Ländern streiken, weshalb Ryanair vorsorglich bereits zahlreiche Flüge gestrichen hat.

Auch Deutschland muss mit Auswirkungen rechnen, obwohl das Unternehmen Ende der Woche in einem internen Rundschreiben an seine Mitarbeiter appellierte, nicht an dem Streik teilzunehmen.

Der Hintergrund: Die Geschäftsführung hatte angesichts immer offenkundigeren Widerstandes seine über drei Jahrzehnte durchgehaltene Linie aufgegeben und wollte erstmalig Tarifverträge für Piloten und Flugbegleiter aushandeln. Doch jetzt, sieben Monate später, sind die Gespräche mit den Gewerkschaften kaum vorangekommen. Daher baut sich nun eine Streikwelle auf.

Die Stimmung unter den Ryanair-Mitarbeitern ist schlecht. Sie wollen beim Gehalt mehr feste und weniger variable Bestandteile. Ebenso wichtig ist allen aber auch eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Denn dem Billigflugunternehmen wird systematische Ausbeutung seiner Angestellten nachgesagt. „Als Mitarbeiter muss man sich ständig wehren, um nicht übervorteilt zu werden“, so ein Mitarbeiter der Airline. Druck und Kontrolle sind gängige Massnahmen, um die Mitarbeiter zu Überstunden und Umsatz zu bewegen. Wenigstens haben viele von ihnen mittlerweile direkt mit Ryanair Arbeitsverträge. Das war nicht immer so und es war ein Verdienst der jahrelangen Ermittlungen durch deutsche Staatsanwälte, dass das „Kontrakter-Modell”, das man etwas flapsig auch als Scheinselbstständigkeit bezeichnen könnte, hierzulande stark rückläufig ist.

Manche allerdings haben einen Arbeitsvertrag nach irischem Recht, was es im Streitfall schwierig macht, auch nur einen Anwalt zu finden, der sich mit irischem Recht auskennt. Auch die Rentenversicherung läuft dann über Irland und bietet weniger Absicherung als in Deutschland. Selten ist das Ziel eines Arbeitskampfes ein weniger rüdes Betriebsklima und ein respektvoller Umgang mit dem Personal. Hier schliesst sich der Kreis vom Personal zum Fluggast: auch die Passagiere der Billig-Airline klagen über schlechten Service, lange Beantwortungszeiten, miese Zahlungsmoral bei Fluggastentschädigungen. Vielleicht ist ein Arbeitskampf dann tatsächlich ein probates Mittel zur Erziehung von allzu rücksichtslos auf Profit ausgerichteten Unternehmen.

Als Nachtrag für alle potentiellen Opfer von Flugausfällen im Rahmen des für Freitag geplanten Ryanair-Streiks: Das Landgericht Frankfurt am Main hat in seinem Urteil vom 29.10.2015 geurteilt, dass die Umorganisation des Flugplanes aufgrund von Streiks keinen aussergewöhnlichen Umstand darstellt, der Fluggesellschaften von der Ausgleichszahlung nach EG 261/2004 entbindet. Die Annullierung der Flüge im Vorfeld eines Streiks sind als freie unternehmerische Entscheidung der Airline zu sehen.

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