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Piloten wehren sich

Piloten wehren sich gegen Arbeitsbedingungen bei Ryanair

Die Piloten von Ryanair arbeiten nicht unter den besten Bedingungen, so viel steht bereits seit längerem fest. Jetzt gehen sie auf die Barrikaden – und der Zeitpunkt ist gut gewählt. Die Piloten wollen nicht länger akzeptieren, dass sie beispielsweise Wasser aus dem Bordservice selber bezahlen sollen, dass sie Hotels und Transfers aus eigener Tasche zahlen und diese auch noch selber organisieren sollen. Daher haben sie kürzlich zum ersten Mal in der 30-jährigen Geschichte der Airline gestreikt – man wollte den Billigflieger mit Sitz in Irland zu Tarifverhandlungen zwingen. Das hatte Erfolg, Anfang Januar gab es die ersten Verhandlungen zwischen der Gewerkschaft Cockpit und der Geschäftsleitung. Das ist ein erster Schritt, dennoch liegen die Positionen noch weit auseinander.

Die Billig-Airline wächst rasant und konnte ihren jahresgewinn auf mehr als 1,3 Milliarden Euro steigern. 129 Millionen Passagiere nutzen die günstigen Flugpreise, die eben auch nur möglich sind, indem man alle anderen Kosten möglichst niedrig hält. Dies vor allem auf Kosten der Angestellten.Die Piloten müssen demzufolge nicht nur ihr Wasser im Flieger bezahlen, sondern auch ihre Uniform, regelmäßige Übungsstunden im Flugsimulator, Gesundheitschecks, sogar Ausweise für die Flughäfen. Einen Teil der Ausgaben bekämen die Piloten zwar als Pauschale wieder, doch die Gewerkschaft argumentiert, dass solche Betriebskosten nicht Teil des Gehalts der Arbeitnehmer sein könnten.

Neben diesen Spesen geht es der Gewerkschaft aber um wichtigere Dinge. Ryanair wirbt damit, dass Piloten bei ihnen fünf Tage in Folge fliegen und dann vier Tage frei haben. Das wird häufig nicht eingehalten. Da die Fluglinie häufig Basen an den Flughäfen verlegt, müssen Ryanair-Piloten häufig umziehen. Es gehe hier vor allem darum, mehr Planbarkeit für die Beschäftigten zu schaffen. Die Gehaltsfrage stehe in den Gesprächen nicht einmal im Vordergrund.

Aber das größte Problem ist die Beschäftigung eines Großteils der in Deutschland stationierten Ryanair-Piloten als „Contractor“. Damit sind sie Subunternehmer, dies könnte man auch mit dem Begriff Scheinselbständigkeit beschreiben. Diese Piloten haben einen Vertrag mit einer Agentur, die Ryanair Personaldienstleistung anbietet, von welcher sie eine monatliche Vergütung erhalten. Die Sozialabgaben tragen diese Piloten selber, zudem müssten sie sich auch dringend selber gegen Arbeitsunfähigkeit absichern. Damit nicht genug: Ende Dezember verklagte die Staatsanwaltschaft Koblenz wegen veruntreuter Sozialversicherungsabgaben mehrere Personaldienstleistungsfirmen, die Ryanair-Piloten beauftragt haben sollen. Dabei geht es laut Anklage um 277 Piloten in einem Zeitraum von fast zehn Jahren.

Wenn es gelingt, den Beteiligten gelingt, sich nicht mehr gegeneinander ausspielen zu lassen – Kapitäne gegen Co-Piloten, Festangestellte gegen Subunternehmer – dann könnte Ryanair endlich ein vollwertiges und seriöses Mitglied des europäischen Flugmarktes werden. Die Vereinigung Cockpit darf dabei nur für die Ryanair-Piloten in Deutschland verhandeln. Um zu verhindern, dass die Airline einen geplanten Streik in Deutschland aushebelt, indem sie Piloten aus anderen europäischen Ländern kurzfristig umdisponiert, sprechen sich die nationalen Pilotengewerkschaften nun stärker ab.

Der Zeitpunkt für den Tarifkonflikt könnte indes von der Gewerkschaft nicht besser gewählt sein: Piloten sind Mangelware. Die expandierenden Airlines in Asien und besonders China werben europäische Piloten verstärkt mit Spitzengehältern ab, zudem wurden die Ausbildungskapazitäten in den vergangenen Jahren konstant zurückgefahren, weil man eher von einem Pilotenüberschuss ausging. Die Voraussetzungen für Veränderungen sind also günstig.

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